Warum nicht mal Dinge machen, die eigentlich unmöglich sind? Und warum nicht mal Berlin über Nacht eine neue Skyline verpassen? Plötzlich stand der Fernsehturm nicht mehr am Alex, sondern am Spreeufer, davor ein neues, bunt bestickertes Bürogebäude. Okay, wer näher heran kam, erkannte: das Gebäude ist gerade mal einen Meter groß und auch den Turm konnte man unter den Arm klemmen und wegtragen. Aber die kleine Installation stellte perfekt das Motto des Netzwerktreffens dar: driversity@company – Werk statt denken.

Zwei Tage beschäftigten sich knapp hundert Teilnehmer mit der Frage, wie man die Ideen aus dem driversity-Kosmos noch mehr mit den Unternehmen und dem Alltag der Mitarbeiter verzahnen kann. Die Sticker auf dem Papp-Gebäude zeigten nämlich die Logos der Unternehmen, die tatsächlich bei driversity mit an Bord sind – inzwischen knapp 100!

Das Thema der Keynote klang wie eine mathematische Gleichung: (Mensch + Digitalisierung) x Kollaboration = Verkehrswende?! Ist die Rechnung wirklich so einfach? Gleich drei Speaker teilten ihre Gedanken dazu mit. Darunter Dr. Sophia Becker (Bildmitte) vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam. Sie versuchte zu erläutern, warum wir Menschen so oft in alten Mustern steckenbleiben, obwohl wir es doch besser wissen. Ihr Fazit: Verhaltensänderungen sind anstrengend und brauchen Geduld. Becker riet zur Schaffung von Motivationsanreizen.
Boris Behringer (rechts im Bild), ehemaliger Leiter des Porsche Digital Lab und Spielmacher des Organisation Playground, der Community auf der [21]ZONE (https://21zone.eu), die Neues Arbeiten bei Vorreiter-Unternehmen praktisch erfahrbar macht, ging in seiner Keynote der Frage nach: Was kann New Mobility von New Work lernen? Mobility ist heute bereits da, wo New Work erst hinmöchte – Selbstverwirklichung, Lebensgefühl, Sinnstiftung, Freiheit – New Mobility findet nur Akzeptanz, wenn sie den Menschen diese Werte erhält.
Dritter Keynote-Speaker war Christian Arnheiter (links im Bild), Head of Innovation & Startup Collaboration / CTO-Team NTT DATA Deutschland. „Was machen wir mit der Digitalisierung und sie mit uns?“ fragte er in seinem Vortrag. Seine Vision für die Mobilität der Zukunft? Ich hoffe, dass das intermodale Reisen bald möglich sein wird, daran arbeiten ja bereits alle Mobilitätsanbieter. Zweites würde ich mir wünschen, dass wir Reisen grundsätzlich reduzieren. Die Klimadiskussion hilft beim Umdenken, aber das reicht nicht. Am Ende des Tages, so Arnheiter, müsse die Technologie in der Lage sein, Dinge möglich zu machen, die bislang noch Zukunftsmusik sind. Im Idealfall würden wir also nicht mehr persönlich zum Meeting reisen, sondern unseren Avatar via Telekommunikation in den Konferenzraum transportieren. Unser virtuelles Ebenbild wird uns irgendwann in Mimik und Gestik so gleichen, dass es sogar Empathie bilden kann.

Am Nachmittag präsentierten Unternehmen ihre Ideen, wie sie ihre Mitarbeiter mit auf neue Wege nehmen wollen. Darunter auch die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), die von Projektmanager Stefan Schwane (Bild rechts) vertreten wurde. Unser Ziel ist es, den Mitarbeitern Alternativen abseits des Autos aufzuzeigen, erklärte Schwane. Zusammen mit der Plattform 25ways, deren App hilft, den Arbeitsweg multimodal zu kombinieren und zu verkürzen und dadurch die Zeit für die Anfahrt zum Job individuell zu reduzieren.
Weiterhin stehen für die 3.500 HHLA-Mitarbeiter in Hamburg ca. 400 E-Bikes zum Leasing zur Verfügung: „Ein Leasing-Programm, das super ankommt und zum Teil von den Mitarbeitern verlängert wurde“, so Schwane.
Wir wollen Anreize schaffen. Verhaltensänderung geht nur über die Möglichkeit Neues auszuprobieren, betont Stefan Schwane. Uns ist es wichtig, die Mitarbeiter zum Experimentieren zu animieren, indem sie beispielsweise mal eine Woche ein E-Bike leihen.  Die Erfahrungen seien positiv, freute sich Schwane: „Die Mitarbeiter haben richtig Lust auf Neues. Parallel arbeite das Unternehmen mit Studenten der HafenCity Universität Hamburg (HCU) in einem Seminar daran, Mobilität neu zu denken und den Einsatz von Transport- und Lastenfahrrädern im urbanen Raum zu realisieren.

Wer sich traut, auch mal ungewohnte Wege zu beschreiten, kann auch beim Thema Arbeitskräftemangel punkten, weiß Ulrich Zimmermann (Bild links), Vorsitzender des Vorstands der EMA eMobilität für alle eG. Er erzählte er von einem Hotelier im Allgäu, der für seinen Betrieb Elektroautos angeschafft habe: Tagsüber rollen die Gäste damit leise und CO2-neutral durch die Gegend. Und abends dürfen die Mitarbeiter die Autos mit nach Hause nehmen. Der Chefkoch fährt jetzt also einen gebrauchten Tesla, den er sich normalerweise ganz sicher nicht hätte leisten können. Und der Hotelier, der seinen Strom selber einspeist, hat weniger KFZ- und Personalkosten – ist aber gleichzeitig viel attraktiver, weil er seinen Mitarbeitern mehr bieten kann.

An Tag zwei des driversity-Treffens wurde geschaut: Was gibt es Neues bei den Teams? Das „Mobilitätsbüffet“ (Bild mitte) gründete eine zweite Gruppe und unterstützt mit seinem Wissen jetzt Stöcken 17: Ein brachliegendes, ehemaliges Firmenareal in Solingen, das in den nächsten Jahren zu einem Gewerbepark für Unternehmen und Forschungseinrichtungen rund um die Zukunftsthemen neue Mobilität, Digitalisierung und Additive Fertigung (3-D-Druck) umgewandelt werden soll. Da spielt – natürlich – die Verkehrsanbindung eine wichtige Rolle.

Auch das Team CTP war fleißig und aquiriert derzeit Mobilitätsanbieter, gleichzeitig wird ein Use Case erarbeitet sowie eine Gesellschaftsform gesucht. Spannend: CTP engagiert sich zusammen mit der Commerzbank, der Bundesdruckerei sowie weiteren Unternehmen für das Projekt LISSI (kurz für Let’s Initiate Self-Sovereign Identity). Das hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema Self-Sovereign Identity (also Fragen rund um die Sicherheit und die Privatsphäre persönlicher Daten) weiter zu erforschen, Know-how in der Entwicklung von Blockchain-basierten ID-Systemen aufzubauen und gemeinsam einen produktnahen Prototypen zu entwickeln.

Am Ende der zwei arbeitsintensiven Tage spielten die Teilnehmer ein Spiel, bei dem sie einen Erdball zum Schweben brachten, in dem sie alle gemeinschaftlich an Seilen zogen. Mit diesem schönen Bild im Kopf verließen die Driver den Berliner Humboldthafen, um die neuen Ideen in die Welt zu tragen. Und wer weiß: vielleicht auch, um Dinge, die heute noch unmöglich erscheinen, möglich zu machen.