Jörg Welke arbeitet als Projektmanager Innovation bei der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO, die Teil der Berliner Wirtschaftsförderung Berlin Partner ist. Er ist ein Vordenker und Tester, so hat er 2012/13 das Effizienzhaus Plus gemeinsam mit seiner Familie auf Herz und Nieren getestet und lässt driversity an seiner Urlaubsfahrt nach Mallorca teilhaben.

Wir fahren e(h) nach Mallorca

Das ganze Jahr durch bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad gefahren, Ernährung auf vegetarisch umgestellt und mit dicken Pullovern im Wohnzimmer gesessen, um bloß nicht die Heizung anzumachen – die CO2– Bilanz muss stimmen. Aber einmal nach Mallorca und zurück mit dem Flugzeug und schon ist die gesamte Challenge verhagelt. Die Familienkutsche von Opa ist deswegen auch keine Alternative. Auf den Urlaub verzichten möchten wir aber auch nicht. Die Lösung: Das gemietete Elektroauto, ein Elektroauto-Spezial-Verleiher macht‘s möglich. Und viel teurer als ein Verbrenner ist’s auch nicht.

Aber schafft man das?

Mit etwas Planung und die Lust am Bibbern gehen wir die Sache an. Zuerst wird die Route in Etappen aufgeteilt, die mit der Reichweite des Wagens klarkommt. Alle dreihundert Kilometer sollte reichen. Minutiös werden Schnellladesäulen auf der 1800 Kilometern auf der Karte markiert. Mit einem speziellen Routenplaner für Elektroautoreisen ist das auch kein Problem. Am ersten Tag der Reise stellt sich der Plan aber als rein akademisch heraus. Die Reichweite stimmt zwar in etwa. Aber die Panik der Mitreisenden vor nicht funktionierenden Ladesäulen lässt uns schon nach 250 Kilometern anstelle der geplanten 350 von der Autobahn abfahren. Mit diesem einen Ladestopp schaffen wir es natürlich nicht durch von Berlin nach Kassel, unserem ersten Übernachtungsziel. Macht nichts: Zehn Minuten Laden im Eichsfeld reichen.

Am nächsten Tag sind wir schlauer. Der Wagen ist nach einer Nacht an der heimischen Steckdose aufgeladen und von nun an wird gerechnet. Immerhin wollen wir es heute bis in die Bourgogne nach Frankreich schaffen. Das Ökohotel dort hat auch eine Wallbox für das Overnight-Charging.

Routenplaner Elektromobilität

Dieses Mal klappt es gut, wir lassen es spontan angehen, nachdem wir festgestellt haben, dass es doch schon eine ganze Menge Schnellladesäulen an deutschen Autobahnen oder zumindest nicht weit ab vom Schuss gibt. Mit einigen Stopps zum Mittagessen, Kaffee und Kuchen und Abendspaziergang schaffen wir die knapp 900 Kilometer in elf Stunden. Mit einem Diesel und vernünftigen Pausenstopps wären wir auch nicht viel schneller gewesen.

Das Rhônetal und die Strecke nach Barcelona ist hervorragend mit Ladeinfrastruktur ausgestattet – wenn sie denn funktioniert. Die eine oder andere böse Überraschung in Form „außer Betrieb“ oder falsch parkenden Benzinern wird wettgemacht durch das fast kostenlose Reisen: Für viele Ladevorgänge müssen wir nichts oder fast nichts bezahlen.

Nach einer weiteren Nacht bei Freunden in Barcelona geht es auf die Fähre. Die freundlichen Seemänner legen uns ein Verlängerungskabel zum Auto, so dass wir die ersten 40 Kilometer auf der Insel die Geschwindigkeitsbegrenzung voll ausfahren können.

Zwei Wochen Urlaub auf Mallorca sind für Elektromobilisten ein Träumchen: Am eigenen Ferienhaus laden wir den Solarstrom vom Dach und für unterwegs haben wir die kostenfreie Ladekarte des örtlichen Netzbetreibers.

Auf der Rückreise fühlen wir uns mittlerweile als alte Lade-Hasen und lassen uns auch von der kaputten Ladesäule vor dem Autobahnhotel bei Karlsruhe auf dessen Parkplatz wir mit einer Restreichweite von sieben Kilometern ankommen, nicht ärgern. Auch hier hilft wieder ein Verlängerungskabel, das aus dem Hotelzimmerfenster gelegt wird und zumindest für die ersten Kilometer des nächsten Tages genug Strom liefert.

Am Ende der Reise ziehen wir Bilanz und stellen fest, dass wir für die insgesamt 4700 verfahrenen Kilometer gerade mal 60 Euro Strom bezahlt haben. Die CO2– Bilanz stimmt auch. Alle Säulen, an denen wir unterwegs geladen haben, werden mit erneuerbarem Strom versorgt. So macht Reisen Spaß.

Christina stellt Jörg 5 Fragen zu seiner eReise:

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