Vernetzen verändert ! 

Das Motto war Programm

In den Design Offices Berlin Humboldthafen fand Ende Juni zum neunten Mal das driversity-Netzwerktreffen statt. Das Motto „Vernetzen verändert“ war Programm. 

Aber der Reihe nach…oder doch nicht?

Springen wir einmal kurz ans Ende, wo sich die Teilnehmenden noch auf einen Sundowner mit spektakulärem Blick auf die Spree trafen. Wer Lust hatte, drehte mit den zum Testen bereitstehenden Lastenrädern eine Tour Richtung Regierungsviertel. Und egal, ob auf den Bikes oder am Stehtisch, egal, ob zu zweit, in kleinen oder größeren Grüppchen, überall wurde rege diskutiert. Die driver:innen waren im Laufe des Tages ordentlich durcheinander gewürfelt worden und fanden sich am Abend in komplett anderen Konstellationen wieder als noch am Morgen. Versorgt mit Wissen, frischen Ideen und jeder Menge neuen Kontakten, ging es für die Netzwerker:innen dann nach Hause. Motiviert von dem guten Gefühl, nicht alleine zu sein auf der Suche nach Lösungen für nachhaltige und flexible Mitarbeitenden-Mobilität. Keine Frage, „Vernetzen verändert!“, der Leitsatz des driversity-Netzwerktreffens, ging auf. 

„Es mangelt nicht an Wissen, aber an Herzblut“ 

Doch zurück zum Anfang. Zur Begrüßung wurden die Teilnehmenden in den Design Offices Berlin Humboldthafen recht kühl willkommen geheißen. Auflösung: Die von einer KI generierte Rede mit ChatGPT zeigte, dass Herzlichkeit anscheinend (noch) schwierig zu prompten ist. Daher mussten Frederic Sattler und Michael Birk, Strategisches Kunden- und Projektmanagement (DB Geschäftreisen) doch wieder selbst ans Mikro.

„Bei der Mobilitätswende mangelt es nicht an Wissen,…

stellte driversity-Initiator Michael klar.

… dafür aber an Antrieb, Herzblut, Meinungen. Das kann KI nicht leisten. Darum ist es umso wichtiger, dass wir Menschen uns zusammentun und miteinander vernetzen, um gemeinsam unseren Impact zu steigern.“

„Transformation kann man üben“  

Mit herrlich trockenem Humor verstand es Larissa Zeichhardt, die Zuhörenden mit ihrer Keynote zum Thema „Mut zur Transformation“ in den Bann zu ziehen. Die Ingenieurin für Kommunikationstechnik erzählte, dass sie eigentlich auf einem ganz anderen Karriereweg unterwegs war, als der plötzliche Tod ihres Vaters vor acht Jahren zu einer Kehrtwende in ihrem Leben führte. Gemeinsam mit ihrer Schwester übernahm sie das Familienunternehmen LAT: Die Elektromontagefirma stattet den ÖPNV mit Sicherheitstechnik aus und sorgt rund ums Gleis für die analoge und digitale Infrastruktur. Als Nachfolgerin gelang Larissa der Spagat zwischen Traditionsliebe und Fortschrittseuphorie: Mittlerweile ist die LAT- Verwaltung papierlos, die Poliere nutzen digitale Klemmbretter, Bauleiter eine Baustellen-App.

„Was ich über Veränderung gelernt habe? Sie ist nie gemütlich und tut oft weh, doch Transformation kann man üben,“

verreit die Berlinerin. Ihre Tipps: Den Mitarbeitenden immer wieder Mut machen, Lust auf Innovationen wecken, den Austausch auf Augenhöhe suchen und offen mit Kritik umgehen. Bei Unstimmigkeiten empfahl sie eine gemeinsame Tasse Kaffee: „Bringt mehr als ewig langes Email-Ping-Pong.“

„Gemeinsame Ziele motivieren uns“ 

 

Um Mut ging es auch in der Session „Match4Impact“, in der Dr. Arndt Pechstein erklärte, wie systematische Vernetzung funktioniert – und zeigte, wie man das Erlernte in die Praxis umsetzt. „Mut ist wichtig für Veränderungen“, sagte er, aber dazu brauche es auch Menschlichkeit und ein Miteinander: „Gemeinsame Ziele motivieren uns.“ In zwei Sessions ging es darum, diese Gemeinsamkeiten herauszufinden, auch wenn einen vielleicht gerade ganz andere Themen umtreiben als den Sitznachbarn. Und so saßen durch Zufall gewählte Grüppchen zusammen, die intensive Gespräche miteinander führten. Auch die neue digitale driversity-Visitenkarte aus Holz von lemontaps, die es als Goodie gab, kam zum Einsatz. Die entdeckten Gemeinsamkeiten – wie: „Wir alle sind Fans von Wasserstoff“ – wurden auf einem Blatt Papier notiert, aus dem ein Papierflieger gebastelt wurde. Welcher flog am weitesten? Auch das wurde ausprobiert und ließ die Teams beim Anfeuern noch einmal näher zusammenrücken.     

Transparenz ist die neue Währung 

Jasson Jakovides, Geschäftsführer der Kap N GmbH, hatte die etwas undankbare Aufgabe, gleich nach der Mittagspause mit einem komplexen Thema weiterzumachen. Er erklärte, wie man „Einfach und sicher zum EU-konformen Nachhaltigkeitsbericht“ kommt. Seine These:

„Transparenz ist die neue Währung. Wir brauchen die Regularien der EU, weil sie uns zwingen, uns mit Themen wie Nachhaltigkeit zu beschäftigen.“

Er stellte das Kap-N-Angebot „smart ESRS-Reporting“ vor, mit dessen Hilfe Finanzinstitute aber auch kleinere und größere mittelständische Unternehmen EU-konforme Nachhaltigkeitsberichte effizient und sicher erstellen können.  

Durch den Time Tunnel ins Berlin 2037 

 

Bei den Workouts am Nachmittag gab es zwei Schwerpunktthemen: Für die „Allianz der Netzwerke“ hatte driversity Vertreter:innen von Women in Mobility, Mobility Allstars, B.A.U.M., NiMo und dem VDR eingeladen, um herauszufinden: Was sind unsere Synergien, welche Ziele können wir gemeinsam umsetzen?  

In einer weiteren Session stand das Thema „Lebenswerte Zukunft: Berlin 2037“ auf dem Plan. Neben Jan Kerhart von vincent productions beteiligte sich auch Simon Wöhr an der Diskussion. Er stellte das Buch „Manifest der freien Straße“ von paper planes e.V. vor und betonte, wie wichtig es sei, die Bedürfnisse der Menschen abzufragen.

„Ich habe Bekannte in Berlin, die leben im fünften Stock und ihr Auto steht rund um die Uhr auf demselben Parkplatz vor der Tür – weil sie dort den Kinderwagen lagern.“

Was könnte man nicht alles mit dem öffentlichem Raum anfangen, wenn es keine Autos gäbe, die ihn zuparkten? 

Eine Antwort auf diese Frage gab es im Nebenraum. Hier konnten die Teilnehmenden auf einem Fahrrad eine Virtual Reality Tour durch das Berlin der Zukunft unternehmen. Durch einen spacigen Time Tunnel radelte man ins Berlin 2037, wo statt Staus und Abgaswolken begrünte Straßenzüge, spielende Kinder und Open-Air-Gyms warteten. Diese interaktive Tour von vincent productions machte so viel Spaß, dass einige Radler:innen am liebsten gar nicht wieder zurück in die Gegenwart kehren wollten…   

Zusammen sind wir stärker 

 

Fazit der Workout-Sessions: Es gibt eine Menge zu tun, aber einige Schritte sind mit relativ wenig Aufwand realisierbar. Ein Vorschlag war die Erstellung einer interaktiven Weltkarte mit Best Practice Beispielen. Der High Line Park in New York, autofreie Zonen in Paris oder die Promenade in Tel Aviv: Wo funktioniert welches Konzept schon sehr gut? So erhalten Interessierte nicht nur einen Überblick, sie könnten sich durch die Karte klicken und mehr über die Projekte erfahren – auch über die Hindernisse und Herausforderungen.  

 Ein weiterer Punkt drehte sich um die Vermarktung nachhaltiger Ideen. Wer Veränderung möchte, sollte alle Beteiligten mitnehmen. Prozesse müssten erlebbar gemacht werden, das Thema emotionalisiert werden im Sinne von „Wie wollen wir eigentlich leben?“ Statt als Einzelkämpfer in kleinen Bubbles zu agieren, sei es wichtig, eine starke Lobby aufzubauen und gemeinsam nach außen zu treten.  

 Bei der „Allianz der Netzwerke“ stellten sich die einzelnen Netzwerke vor, dabei wurde schnell klar, dass es viele Überschneidungen gibt. In Zukunft wollen sich die Teams enger verzahnen, um ihre Power zu bündeln. Als Vorbild wurden die Fahrradverbände genannt, die jetzt schon geschlossen auftreten, um ihre Interessen zu vertreten. Als erster Schritt soll nun eine gemeinsame Kommunikation aufgebaut werden.    

WRap-Up samt driversity Ausblick

 

Als obligatorisches Element der driversity Netzwerktreffen lies es sich Dr. Arndt Pechstein nicht nehmen, den Tag in einem gut  3-minütigen Rap zusammenzufassen, unterstützt vom rhythmischem Klatschen und Kopfnicken der Meute.

 

Zuvor hatte schon das driversity Kernteam von der Deutschen Bahn samt Partnern Neue Effizienz, Hochschule Heilbronn und GLS Bank den Teilnehmenden gedankt und einen Einblick in Projekte und kommende Termine gegeben. Eines der Highlights der „enabled by driversity“ -Projekte 2023 war die zweite Auflage der Climate Mobility Challenge, die am Folgetag auf der Partnerveranstaltung DB Mobility Symposium die Sieger kürte. Beifall und ein großes Dankeschön einheimsten durften Christina Menzel-Ostrowski und Lisa Rheinheimer für die Projektidee, Umsetzung und Abstimmung mit der Partnern und Kund:innen.

Niemand ist perfekt…     

  

Zum Abschluss erschien „Beichtvater“ Dirk Keuter auf der Bühne. Er hatte im Lauf des Tages die heimlichen Mobilitäts-Sünden der Teilnehmenden gesammelt. Das ging von „Verbrenner brennen im Herzen eines Automobil-Liebhabers“ über „Ich war auf einer Kreuzfahrt und fand es toll“ bis hin zu „Wir nutzen den Dienstwagen, um in den Urlaub zu fahren.“ Gute Nachricht: Dirk Keuter erteilte großzügig Absolution:

„Nehmet dies als Anstoß, es in Zukunft anders zu machen und erlebet dabei den Zauber, der einer nachhaltigen Mobilität innewohnt.“

Und so traten die Teilnehmenden am Ende mit einem breiten Lächeln und deutlich erleichtert in die Berliner Abendsonne.    

 

PS: Das nächste Netzwerktreffen findet am 12.11.2024 in München statt – Gastgeber ist bahn.business 360° !